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Theory
of The Gift Economy


Intro

Kapitel 1
Am Anfang

Kapitel 2
Sprache und Denken

Kapitel 3
Reziprozität

Kapitel 4
Definition und Tausch

Kapitel 5
Die Kategorie des Menschen

Kapitel 6
Marksistische“ Kategorien

Kapitel 7
Die kollektive Quelle

Kapitel 8
Kastrationsneid

Kapitel 9
Is = $

Kapitel 10
Wert

Kapitel 11
Der Übergang zum Tausch

Kapitel 12
Wie dem Tausch Wert geschenkt wird

Kapitel 13
Markt und Geschlecht

Kapitel 14
Zu existieren verdienen

Kapitel 15
Das Zeigen und das Patriarchat

Kapitel 16
Das Zeigen des Egos

Kapitel 17
Was repräsentiert die Demokratie?

Kapitel 18
Die nicht-maskulisierten Protagonistinnen gesellschaftlichen Wandels

Kapitel 19
Traum und Realität

Kapitel 20
Schenken und Liebe

Kapitel 21
Vom Garten zum Gral

Kapitel 22
Kosmologische Spekulationen

Kapitel 23
Nach den Wörtern – die Theorie in der Praxis

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Is = $

Das Bedürfnis, das von einem Wortgeschenk befriedigt wird, richtet sich nicht direkt auf das materielle Objekt. Deshalb müssen wir die Dinge, über die wir sprechen, nicht mit uns herumtragen, wie es etwa die die Philosophen in Jonathan Swifts Gullivers Reisen tun. Das Leben lässt immer wieder neue Bedürfnisse danach entstehen, um uns mit anderen Menschen kommunikativ zu vereinen. Diese Bedürfnisse können sich auf alle Aspekte unserer Welt beziehen und werden durch verbale Geschenke befriedigt. Materielle Geschenke sind dazu nicht notwendig. Wir transformieren im verbalen Schenken gewissermaßen eine „objektiv“ scheinende Welt in eine schenkende Welt. Im Bereich der Sprache verhalten sich Menschen zueinander unentwegt im Sinne des Schenkprinzips. Das verbale Schenken ist immer Teil unseres Lebens, egal, was wir tun – selbst wenn unsere materiellen Beziehungen von Unmenschlichkeit gekennzeichnet sind. Tatsächlich ist es so, dass wir den Grundstein für eine blühende menschliche Gemeinschaft legen würden, wenn es uns nur gelänge, unsere Handlungen in der materiellen Welt unserem Schenken in der Sprache anzupassen.

Wortgeschenke sind in vielerlei Hinsicht leichter zu geben als materielle Geschenke. Zum ersten sind sie leicht zu produzieren und aufzubewahren. Zum zweiten werden die unterschiedlichen Teile eines Wortes von uns zusammen als ein Wort verstanden. Dieses Zusammenfassen verschiedener Lautmomente in einen ermöglicht, dass ein Wort für uns alle ein- und dasselbe bedeutet. Es erlaubt dem Wort außerdem, an zwei oder mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Drittens erlaubt diese Allgemeinheit des Wortes, dass es immer und immer wieder von uns verwendet werden kann. Wir können uns so oft wir wollen mit seiner Hilfe auf ein Ding beziehen und in diesem Prozess Verbindungen mit anderen Menschen herstellen. Ein Wort kann von allen geschaffen und von allen erhalten werden.

Das Ersetzen materieller Geschenke – genauso wie mancher immaterieller: Ereignisse, Situationen, Ideen – durch verbale Geschenke ist eine spezifisch menschliche Eigenschaft. Das Wort ist eine spezielle Art eines Ersatzgeschenkes. Die kommunikativen Bedürfnisse, die es befriedigt, sind speziell menschliche Bedürfnisse, die sich den Mitteln ihrer Befriedigung angepasst haben. Wenn wir unsere kommunikativen Bedürfnisse mit der Zahl der Dinge multiplizieren, die von uns als wichtig genug empfunden wurden, um für sie ein eigenes Wortgeschenk (einen Namen) zu schaffen, dann erhalten wir linguistische Geschenke in immenser Vielfalt und Verknüpfungsmöglichkeiten. Jedes Wort nimmt an diesen Schenkprozessen als ein Wort von vielen teil und alle Mitglieder der Gemeinschaft können es sich potentiell zunutze machen.

Meta-Sein

Es gibt ein abstraktes Wort, nämlich das Verb „sein“, das PhilosophInnen viel zu denken gegeben hat. Obwohl es nicht in allen Sprachen verwendet wird, kommt ihm dort, wo es verwendet wird, besondere Bedeutung zu. Seine quantitative und logische Übersetzung in Form des Zeichens „=“ scheint ebenso weit verbreitet wie die Marktwirtschaft. Ich glaube, dass im Rahmen der Definitionsstruktur das Verb „sein“ ein Wortgeschenk ist, das ein kommunikatives Bedürfnis befriedigt, das von genau dem Satz kommt, in den es eingebettet ist. Es ersetzt die Ersetzungen (die verbalen Geschenke), die von anderen Wörtern in der Definition ausgeführt werden. In: „Eine Hauskatze ist eine domestizierte Kleinkatze“ ist „ist“ gleichzeitig das Ersatzgeschenk für „Hauskatze“ als auch für „domestizierte Kleinkatze“. Dadurch dass „ist“ diese beiden Wortgeschenke (diese verbalen Ersetzungen) gleichzeitig ersetzt, können sie von uns miteinander gleichgesetzt werden. In diesem Sinne kann das Verb „sein“ als ein Meta-Teil des Satzes betrachtet werden. (Siehe Graphik 14.) Dies erklärt auch den Gegenwartscharakter von „sein“, da die Objekte, auf die es sich bezieht, im (Definitions)Satz unmittelbar zugegen sind. Die Ersetzung, die von „sein“ vorgenommen wird, ist – wie jede verbale Ersetzung bzw. jedes verbale Geschenk – ein Dienst an anderen. Er befriedigt quasi das kommunikative Bedürfnis nach einem Meta-Satz – das Bedürfnis nach einer Repräsentation dessen, was sich im Satz ereignet. Damit schafft „sein“ eine unmittelbare und aktuelle Verbindung zwischen Personen in Bezug auf das, worum es im Satz geht. Dieser Einschnitt innerhalb des Satzes, der einen Art Meta-Moment konstituiert, bezeichnet die definitorische Funktion von „sein“, indem es dem Definiendum erlaubt, das Definiens zu ersetzen.

Wenn Sprache dem Schenkprinzip folgt, impliziert das, dass sich unentwegt zahlreiche definitorische Ersetzungen ereignen müssen, da diese die Grundlage für die verbalen Geschenke der Sprache bilden. Die definitorische Ersetzung ist dabei eine sehr allgemeine. Das Wort, dessen wir uns in ihr bedienen – „sein“ – ist das allgemeinste aller Wörter. Es gibt keine anderen Wörter, die das Prinzip der Gleichheit stärker ausdrücken. Gleichzeitig ist das Wort bescheiden und lässt sich im Überfluss anwenden.

Aufgrund seiner einzigartigen Position ist es schwierig, „sein“ zu definieren. Wir versuchen es trotzdem, weil wir es gleichzeitig als ein Wort wie jedes andere sehen. Doch wenn wir Dinge sagen wie: „das Sein ist“, werden unsere Köpfe orientierungslos und scheinen sich gleichzeitig auf die ganze Welt auszudehnen wie auf die unmittelbare Gegenwart zusammenzuziehen. Vielleicht liegt der Grund darin, dass „Sein“ – bzw. das Verb „sein“ – ein Meta-Wortgeschenk ist. (Wie wir gesehen haben, bezeichnet es nicht einfach eine gewöhnliche Ersetzung, sondern die Ersetzung anderer verbaler Ersetzungen.) Nicht nur ist es sehr allgemein, sondern es ist auf seiner Ebene der Allgemeinheit alleine – keine anderen Wörter haben einen allgemeinen Wert, der mit dem von „sein“ verglichen werden könnte.

Damit Wörter – und die kommunikativen Bedürfnisse, die sie befriedigen – sich entwickeln können, braucht es eine verbale Ebene in unserem Leben, die als Platz der Allgemeinheit aufrechterhalten wird. Wenn Dinge auf der nonverbalen Ebene für uns wichtig genug werden, erhalten sie ein permanentes kollektives kommunikatives Geschenk auf der verbalen Ebene in der Form eines Wortes. Wir gebrauchen dieses Wort, wenn unser Schenken von der nonverbalen auf die verbale Ebene wechselt. Auch dieser Wechsel kann als Ersetzung gesehen werden: das verbale Geschenk wird nun anstelle des nonverbalen Geschenks (oder in der Definition anstelle anderer verbaler Geschenke) verwendet, um Verbindungen zu anderen Menschen zu schaffen. Es ist dieser Wechsel – bzw. der Akt des Ersetzens selbst – den wir bezeichnen, wenn wir „ist“ sagen. Deshalb können wir „ist“ sowohl dann verwenden, wenn wir über Nonverbales sprechen bzw. auf es verweisen (Deixis – Beispiel: „das ist eine Katze“), als auch wenn wir ein verbales Definiens verwenden (Beispiel: „eine Katze ist ein haariges Tier mit einem langen Schwanz“). In beiden Fällen repräsentiert „ist“ den Wechsel von einem nonverbalen zu einem verbalen Geschenk. Der erste Wechsel vollzieht sich von der Ebene der Wirklichkeit zu der des Verbalen (anhand des relativ leeren Platzhalters „das“), der zweite von der Ebene der Wirklichkeit auf ein konstantes Element der Ebene des Verbalen (das Wort „Katze“).

Wie wir in Kapitel 2 gesehen haben, kombinieren Sätze die allgemeinen und kollektiven Wörter (Wortgeschenke), um kontingente und partikuläre kommunikative Bedürfnisse zu befriedigen. Für sich selbst genommen, kann jeder einzelne Aspekt einer Situation oder eines Ereignisses auf sein Wortgeschenk, also auf seinen Namen, bezogen werden. Als Reihe betrachtet (was LinguistInnen die „Achse der Metonymie“ nennen), arbeiten die Wörter als einzelne Teile in wechselnden Rollen von Schenkenden und Empfangenden zusammen, um kommunikative Bedürfnisse zu befriedigen. Gemeinsam bestimmen sie auf provisorische und flüchtige Weise einige Momente der Welt als relevant und andere als nicht-relevant. Um kommunikative Bedürfnisse in Bezug auf die relevanten Momente befriedigen zu können, steht uns dann eine Kombination von Wörtern zur Verfügung – zumindest in dem Augenblick unseres Bedürfnisses.

Die Beziehung zwischen Wörtern und Dingen, wie wir sie dargestellt haben, ereignen sich – ebenso wie der von uns skizzierte Kategorisierungsprozess – auf dem, was LinguistInnen die „Achse der Metapher“ nennen. Hier beziehen sich Wörter nicht in einer Reihe aufeinander, sondern auf verschiedenen Ebenen. Dieser Bezug vollzieht sich auf der Basis einer Äquivalenz und der Fähigkeit des Elements einer Ebene den Platz des Elements einer anderen Ebene einzunehmen. Die Achse der Metapher beinhaltet dabei oft die Polarität des Einen und der Vielen.

Metonymie und Metapher arbeiten sowohl im Diskurs als auch in Definitionen zusammen. Was die Metonymie anlangt, so entstehen Wörterreihen auf der Basis wechselseitiger Schenkbeziehungen. Gleichzeitig befinden sich in diesen Wörterreihen viele einzelne Wörter in Bezug auf die Dinge, die sie repräsentieren, in metaphorischen Beziehungen des Einen zu den Vielen. Ein Wort als ein Ersatzgeschenk zu schenken ist selbst eine besondere Art von Dienst.

Das Verb „sein“ befindet sich an der Kreuzung zwischen den Achsen der Metonymie (Zusammenhang) und der Metapher (Ersatz). Als Ersatz für den Akt des Ersetzens ist es Metapher – aber als Ersatz für die anderen Teile (Wortgeschenke) des Satzes ist es Teil einer Reihe und formt eine metonymische Folge. Wie wir oben gesehen haben, kann ein Satz auf der Achse der Metonymie im Prinzip Schenkbeziehungen reproduzieren, die auch auf der nonverbalen Ebene stattfinden können. Doch unterscheidet sich die Definition von anderen Arten von Sätzen, weil sie der Logik der Ersetzung folgt, in denen das Definiens als ein provisorisches Wortgeschenk (bzw. als eine aus Wortgeschenken zusammengesetzte Phrase) dem Ding dient, das definiert wird, während das Definiendum den Platz des Definiens als konstanter und allgemeiner Name dieses Dings einnimmt. Die Definition ist ein Dienst, den die Sprechenden den Zuhörenden erweisen, und das Wortgeschenk, das diesen Dienst ausmacht, schafft einen Moment des Schenkens und der Verbundenheit, der für die Zuhörenden ein ganzes Leben lang von Bedeutung sein kann.

Wenn Konjunktionen wie „sowohl-als-auch“, „entweder-oder“ oder „nicht“ dem Verb „sein“ geschenkt werden, können sie es auf verschiedene Weisen modifizieren: sie können es zu einem Ersatzgeschenk für die Ersetzung von zwei oder mehr Objekten machen („eine Hauskatze ist sowohl eine Katze als auch ein Haustier“); oder von einem von zwei Objekten („eine Hauskatze ist entweder eine Kleinkatze oder eine Großkatze“); oder von etwas anderem als dem erwähnten Objekt („eine Hauskatze ist keine Großkatze“ bedeutet, dass der erste Begriff nichts mit dem kommunikativen Bedürfnis zu tun hat, welches der zweite Begriff befriedigt, und dass der erste den zweiten daher nicht ersetzen kann). Das syllogistische „Wenn-dann“ („wenn alle As Bs sind und alle Bs Cs, dann sind alle As Cs“) besagt, dass A, B und C Ersatzgeschenke für dasselbe Ding sind. Das Prinzip des Geschenkersatzes: das Ändern von Ebenen, funktioniert sowohl zwischen Sprache und Welt als auch innerhalb der Sprache selbst: in der Definition und auf einer Meta-Ebene des Verbs „sein“.

In der Beschreibung nimmt „sein“ eine andere Rolle ein als in der Definition. Im Satz: „Der Hund ist braun“ gebrauchen wir das „ist“ beispielsweise, um dem Substantiv „Hund“ das Attribut „braun“ zu schenken (bzw. zuzuordnen). Der Hund hat demnach die Eigenschaft (oder das „Geschenk“) des Braun-Seins (ob ihm dieses vom Universum oder von einer Malerin geschenkt wurde, spielt dabei keine Rolle – woher die Farbe kommt, ist hier irrelevant). Eine umfassende Diskussion aller Möglichkeiten, die Sprache im Sinne des Schenkprinzips zu begreifen, würde dieses Buch zu lang und zu akademisch werden lassen – wenn sie auch zweifelsohne faszinierend wäre. Ich möchte demnach nur einige dieser Möglichkeiten streifen, um danach von diesen ausgehend zu einer Untersuchung des Geldes als Tauschmittel zu gelangen.

Die Definition unterscheidet sich von diskursiven Sätzen in der Explizität, mit der sie sich auf den verbalen Ersetzungsprozess bezieht. Sie nimmt eine meta-linguistische Geschenkfunktion ein, die das Bedürfnis der Zuhörenden für ein Wort befriedigt, das sie nicht haben. Die schenkenden Aspekte der Definition werden jedoch seit Jahrhunderten von Philosophen und Linguisten verleugnet. Für diese drückt die Definition sterile „objektive“ Beziehungen zwischen Wörtern aus anstelle von Beziehungen zwischen Menschen. Diese objektiven Beziehungen zwischen Wörtern werden als abstrakte syntaktische Gesetze gedacht, die jenen abstrakten Gesetzen entsprechen, die unsere maskulisierte Gesellschaft regeln.

Wir können dem Schenkprinzip jedoch in der Sprache wieder Geltung verschaffen und erkennen, dass die Schenkbeziehungen zwischen Menschen sich in der Sprache fortsetzen und von der menschlichen Ebene auf die verbale übersetzt werden. Wenn uns die Misogynie die Augen verschließt, ist es uns freilich nicht möglich, überhaupt Schenkbeziehungen zwischen Menschen zu erkennen, schon gar nicht in der Sprache. Anstelle dessen meinen wir, abstrakte und willkürliche Gesetze ausmachen zu können, die mit jenen der Reglementierung und Maskulisierung des Patriarchats korrespondieren. Es stellt sich die Frage, ob unsere Gesetze einer Syntax folgen, die der Regulierung der Souveränität isolierter, verdinglichter (männlicher) Wörter dient, oder ob unsere Syntax unseren Regeln von Herrschaft, Befehl und Gehorsam folgt. In jedem Fall sieht es so, als würde das Verb „sein“ den Satz seines Schenkcharakters berauben, genauso wie die Maskulisierung die Gesellschaft ihres Schenkcharakters beraubt.

Ich denke, dass diese Missinterpretation des Verbs „sein“ darauf beruht, dass es mit der Definition verbunden ist (die ein ursprünglich harmloser Prozess ist), in welcher der Mechanismus des Ersetzens in einer (internen) Weise gebraucht wird, die sich von seinem Gebrauch in der Rede unterscheidet. In der Definition findet das Schenken auf einer meta-linguistischen Ebene im Ersetzen von Wörtern durch andere Wörter statt. Nachdem sich dieser Prozess vom Schenkprozess der Rede (in der Wörter Dinge ersetzen) unterscheidet, mag sein Schenkcharakter nicht offensichtlich sein und die übernehmende Funktion des Definiendums mag als Schuld vom Verb „sein“ erscheinen. Vor allem ist es jedoch die Rolle, die die Definition in der Maskulisierung spielt (wo die unterschiedlichen Ebenen der Ersetzung zum Spiegeleffekt beitragen), die sich negativ auf das Verb „sein“ auswirkt und ihm einen schlechten Ruf verleiht. Einige dem General Semantik gehorchende Menschen haben gemeint, dass wir die Verwendung des Verbs „sein“ überhaupt vermeiden sollten und sie haben es aus ihrem Vokabular gestrichen. Doch es ist nicht das Verb „sein“, das sich parasitär zur Menschheit verhält, sondern das Puer(Patri)archat. Zum Schenkprinzip zurückzukehren – in der Wirtschaft wie in der Sprache – wird uns (unter vielem anderen) erlauben, dem Verb „sein“ wieder zu seinem rechten Platz als Teil der Mutter Sprache zu verhelfen.


Am ehesten vielleicht das Verb „existieren“.

In der Definition trägt eine beständige Spannung (Polarität) zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was nicht gesagt wird – bzw. zwischen dem, was als Äquivalent präsent ist, und dem, was ausgeschlossen ist – dazu bei, relevante Elemente von nicht relevanten zu unterscheiden. Wenn ich z.B. sage: „eine Hauskatze ist ein vierbeiniges Tier“, brauche ich nicht zu sagen: „eine Hauskatze ist kein zweibeiniges Tier“, oder: „zweibeinig ist nicht vierbeinig“, da das Attribut „vierbeinig“ das Attribut „zweibeinig“ bereits ausschließt. Diese Trennung von Elementen, die sich stufenweise in der Formation von Kategorien (und zu einem geringeren Grade in der Definition) vollziehen, ist schlicht Teil der Weise, auf die wir kommunikative Bedürfnisse befriedigen.

Metapher und Metonymie (Ersatz und Zusammenhang) sind zwei Pole sprachlicher Funktion, die auch in der Aphasie (im Verlust von Sprache) gefunden werden können: in einer „Wortfindungsstörung“ oder einer „Kombinationsstörung“. Siehe Roman Jakobson, On Language, Kapitel 7.

Wir sollten Objektivität als eine Verdinglichung oder Fetischisierung verstehen, die mit dem phallischen Eigentum und seinen Entsprechungen zu tun hat: von Spielzeugautos bis zu Spielzeugwaffen. Die männliche Identitätskonzeption des Buben und das Privateigentum bezeichnen kategorische Beziehungen zwischen Dingen, im Unterschied zu den ad hoc Identitäten, zu denen es im Schenkprinzip kommt. In diesem Sinne wird die maskulisierte Identität von einer Kategoriebeziehung konstituiert und nicht von Subjektivitäten, die sich in Prozessen von Schenken und Empfangen bilden. Wenn Dinge, denen ihr Schenkcharakter genommen wurde, als Geschenke „re-präsent-iert“ werden sollen, ist keine schenkende Verbindung zwischen verschiedenen Ebenen mehr wahrnehmbar. „Präsenz“ scheint dann nur noch an die Zeit zu erinnern, nicht mehr an das Geschenk. Allerdings kommt der zeitliche Aspekt der Präsenz womöglich von der Tatsache, dass die Befriedigung von Bedürfnissen auf das Hier und Jetzt konzentriert ist.

To Be or Not: An E-Prime Anthology, San Francisco: ISGS 1992.

 

Sein und Geld

Wir können die Geschichte des monetären Tausches mit jener der Definition vergleichen. Auch hier wird ein Ersatz für den Akt des Ersetzens selbst eingeführt: anstelle der Ersetzung eines Produktes durch ein anderes kommt es zu einer monetären Ersetzung. Diese Ersetzung kann stattfinden, auch wenn die Produkte partikulär sind (eine Person tauscht nur ein partikuläres Exemplar eines Produktes, nicht das Produkt in seiner Allgemeinheit). Das Geld schließt den Ersetzungsprozess dabei nicht ab. Wie das Verb „sein“ in der Definition, formt es im Tausch eine metonymische Reihe mit dem, das es ersetzt – aber es tut dies, indem es den Ersetzungsakt unterbricht, sich selbst als Vermittler installiert und das erste Produkt ablöst. Ist dies einmal geschehen, kann das Geld von der Achse der Metonymie auf jene der Metapher wechseln und das Produkt physisch ersetzen und getauscht werden.

Die Ersetzung eines Produktes durch das Geld antizipiert die Ersetzung eines anderen Produktes durch das Geld und eine Umkehrung der Rollen von Kaufenden und Verkaufenden. Nachdem Geld den Platz aller Produkte als deren allgemeines Äquivalent einnimmt, hat es einen Charakter von Allgemeinheit, den diese nicht haben. Jedes Mal, wenn es deren Platz einnimmt, ist es die Allgemeinheit des Geldes, die uns erlaubt, mit anderen in Verbindung zu treten. Und jedes Mal, wenn es getauscht wird, wird diese Verbindung wieder aufgelöst. Der Ersatz eines direkten Tauschakts durch einen monetären tut im ökonomischen Rahmen, was das Verb „sein“ in der Definition tut. Es schafft einen metonymischen Moment. Doch da sich die AkteurInnen (Definiens/Definiendum bzw. Verkaufende/Kaufende) in ihren Rollen abwechseln, blockt diese Symmetrie die metonymische Folge und hält sie davon ab, sich in Sätzen jenseits der Definition fortzusetzen.

Im Tauschverfahren wird gekauft, um zu verkaufen und um die Quantität des allgemeinen Äquivalents zu erhöhen. Die linguistische Achse der Metonymie wird reproduziert in der Form quantitativ wie qualitativ ähnlicher Einheiten („eins und eins und eins und ...“) und ein numerisches System entsteht, anhand dessen der Wert eines Produktes von dessen Kaufpreis bestimmt wird. Dies erlaubt das Akkumulieren von Geld und die Entwicklung des Kapitels.

Nachdem es den Charakter des materiellen Geschenks und des Kategoriebeispiels in die Institution des Privateigentums übersetzt hat, muss das Geld Produkte physisch ersetzen und an deren Stelle gegeben bzw. erhalten werden (Achse der Metapher). Wenn das Geld präsent ist, sind die Produkte es nicht – wenn diese präsent sind, ist es das Geld nicht. Wenn wir die Produkte anderer nicht mit eigenen Produkten ersetzen, sondern mit Geld, dann müssen wir dieses anstelle der Produkte mit uns herumtragen. Der Prozess der linguistischen Ersetzung erreicht somit seinen Abschluss: das Wort wird reinkarniert und Swifts Phantasie Wirklichkeit. (Auch wenn wir nicht wissen, dass es letztlich das Verb „sein“ ist, das in unseren Taschen klimpert.) Ich glaube, dass das Unbewusste neben den Wörtern, die wir wählen, auch unsere Symbole beeinflusst. In diesem Sinne scheint mir die verblüffende Ähnlichkeit des englischen is mit dem Dollarzeichen $ den identischen Charakter von „sein“ und Geld zu bestärken.

Geld ersetzt das Produkt der Verkaufenden und der monetäre Tausch ersetzt den Akt des Ersetzens zweier Produkte (der sich vollzieht, wenn die Verkaufenden selbst zu Kaufenden werden). Wenn die Situation eine von direktem Tausch (barter) gewesen wäre, dann wäre das Produkt unmittelbar von einem anderen ersetzt worden. So aber erhalten die Verkaufenden anstelle dessen das artifizielle Produkt Geld. Eine solche Ersetzung antizipiert freilich eine weitere Ersetzung, damit die Verkaufenden als Kaufende zu ihrem tatsächlichen (materiellen) Produkt kommen können, und so weiter. Der monetäre Tauschprozess nimmt also den Platz des direkten Tauschprozesses ein, der wiederum den Platz des Schenkens eingenommen hat. Der monetäre Tausch schafft dabei einen Bruch in der metonymischen Reihe des direkten Tausches: Geld, das für ein Produkt getauscht wurde, muss nicht unmittelbar wieder getauscht werden – es kann Tage oder Jahre lang aufbewahrt werden, bevor es wieder getauscht wird. Es konzentriert zahlreiche Aspekte des Tausches auf sich und schafft seinen eigenen sozialen Raum: den Markt. Der Tausch bemächtigt sich darin aller Produkte und der „materiellen Wörter“, die sie kontextunabhängig definieren (bzw. physisch dekontextualisieren). Dies geschieht auf eine Weise, die dem dekontextualisierenden Aspekt der Definition folgt.

Nachdem das Geld Wert bestimmt, funktioniert es auf der Achse der Metapher (des Ersatzes) in diesem Sinne auch als Wort. Es definiert, indem es die Frage „was ist es?“ mit einem Preis beantwortet. Der Markt mag als der soziale Rahmen gesehen werden, in dem Produkte (und ihre Preise) dekontextualisiert werden, damit wir sie definieren, evaluieren und tauschen können. Diese Koexistenz verschiedener Ebenen und die Bewegungen zwischen ihnen sowie der Gebrauch verbaler Mechanismen in nonverbalen Räumen erlauben die Einführung von Variablen, die es im Schenken oder im direkten Tausch nicht gibt.

In der Situation des direkten Tausches wird das Produkt, das eine Person hat, mit dem Produkt einer anderen Person verglichen. Beides sind individuelle Produkte und gehören zu einer Dyade. Sie ersetzen einander nur und es kann – auch wenn sie den gemeinsamen Charakter eines Ersatzproduktes haben – keine allgemeine Kategorie in Bezug auf sie geformt werden, da dazu eine Eines-Viele-Beziehung notwendig wäre. Sobald jedoch der monetäre Tausch den Platz des direkten Tausches einnimmt, kommt ein Kategorisierungsprozess in Gang, der alle individuellen Produkte zu allen anderen in Beziehung setzt und ihren allgemeinen Wert definiert.

Im vom Privateigentum definierten konkurristischen Überlebenskampf wollen die Tauschenden nur Produkte „gleichen Wertes“ tauschen. Es muss ihnen somit möglich sein, deren Preis zu kennen und zu wissen, was für einen monetären Wert sie haben, um zu wissen, was sie „sind“. Die linguistische Dialektik kommt dabei wieder zum Tragen: was sie (im Tausch: die Produkte – in der Sprache: die Wörter) für die Gesellschaft (die Allgemeinheit) sind, bestimmt auch, was sie für die Individuen sind (bzw. welchen Preis sie in dieser haben). Ein soziales Bedürfnis für diese Wertbestimmung (und für das Ersatzäquivalent, in dem es vorgenommen wird: das Geld) beginnt schließlich als kommunikatives Bedürfnis zu existieren – monetäre Wertbestimmung wird im Rahmen einer vom Privateigentum (und dessen Tausch) bestimmten Gesellschaft notwendig für menschliche Kommunikation und Interaktion.

Die Folge ist, dass es bald so zu sein scheint, dass wir das Geld um seiner selbst Willen benötigen, nicht um es für Produkte auszutauschen. Was ein linguistisches kommunikatives Bedürfnis war, ist ein materielles Bedürfnis auf einer ökonomischen Ebene geworden. Dies geschah, indem das Privateigentum die schenkende Gemeinschaft aufgelöst und uns – als EigentümerInnen von Produkten – voneinander isoliert hat. Unser Mangel an materieller Kommunikation schafft eine Situation, die mit der eines isolierten Bewusstseins ohne Sprache verglichen werden kann. Wir können nunmehr unser gemeinsames Bedürfnis nach Kommunikation und Interaktion nur noch im Rahmen der Logik des Privateigentums befriedigen. Das einzige Kommunikationsmittel, das uns dabei zur Verfügung steht, ist das, was das materielle Schenkprinzip ersetzt hat: das Geld. Der Tauschwert ist der Wert (die Relevanz) des Produktes im Rahmen einer manipulierten, vom Privateigentum bestimmten Form materieller Kommunikation: dem Tausch. Quantitativ gewichtet wird der Tauschwert durch das materielle Prototypäquivalent und das Ersatzgeschenk – $.

Der Satz, in der das Geld die Rolle des Verbs „sein“ einnimmt, komplettiert sich durch eine Wiederholung (zum Beispiel wenn ein T-Shirt mit $20 gleichgesetzt wird, die wiederum mit fünf Kilo Bohnen gleichgesetzt werden). So gesehen, scheint es tatsächlich so, als würden die Tauschenden schlicht gegenseitige Bedürfnisse befriedigen und anderen geben, was diese nicht haben, um von ihnen zu erhalten, was sie selbst brauchen. Das Geld wäre damit einfach ein Ersatzgeschenk, das von einer Person einer anderen gegeben wird, um das kommunikative Bedürfnis zu befriedigen, das jedes Mal auftritt, wenn eine Person entscheiden muss, was sie von einer anderen haben will. Doch handelt es sich hier um eine „objektive“ Verklärung. Denn wenn das Produkt einer Person nicht verkauft werden kann, fällt es außerhalb des Marktes (so als wäre es außerhalb der Grenzen einer Kategorie) und existiert nach der Definition des Tausches nicht mehr. Es kann weder von einem anderen Produkt noch vom Geldverb $ ersetzt werden. Das Gleiche gilt für die Arbeit einer Person: wenn diese keinen vom Tausch definierten Wert besitzt, ist die Entscheidung der Person, was sie im Tausch für sie haben will, bedeutungslos, da sie nichts dafür bekommen wird. Ihr Wunsch nach Arbeit bzw. die diesem zugrunde liegenden Bedürfnisse (die im Tausch nur über Geld – Lohnarbeit – zu befriedigen sind) korrespondieren mit keinem „effektiven Angebot“ und verlieren damit quasi ihre Existenzberechtigung (und die Notwendigkeit, befriedigt zu werden), da im Tausch Bedürfnisse nicht mehr einfach um ihrer selbst Willen befriedigt werden, sondern sich ihre Befriedigung „verdienen“ müssen. Dies ist die Konsequenz des Verlusts des Schenkprinzips bzw. der Ersetzung des Schenkens durch den Tausch.



Im direkten Tausch bleibt der Tausch eine besondere Dyade und steht in keinem Verhältnis zu einem allgemeinen Äquivalent. Eine direkte Tauschwirtschaft impliziert jedoch viele Momente, die Berechnungen von Äquivalenz verlangen – etwa in Bezug auf Zeit oder andere Standards. Es ist wichtig, direkten Tausch nicht mit Schenken zu verwechseln. Direkter Tausch ist immer noch Geben-um-zu-Erhalten, während Schenken direkt auf die Bedürfnisse anderer ausgerichtet ist. Die Logiken sind unterschiedlich. Die direkten Tauschwirtschaften und alternativen Währungsformen, mit denen gegenwärtig von verschiedenen kapitalismuskritischen Gruppen experimentiert wird, können zwar als Schritt hin zu einer Schenkökonomie gesehen werden, bleiben selbst jedoch dem Tauschprinzip verhaftet und reproduzieren dessen Fehler – an erster Stelle das Ersetzen des Schenkprinzips. Ich möchte wirklich betonen, dass direkter Tausch und Schenken nicht dasselbe sind. Das Geld abzuschaffen, ist so, wie das Wort „sein“ abzuschaffen: auf diese Weise kann das Problem, das von Maskulisierung und Tausch produziert wird, nicht gelöst werden.

Geld ist tatsächlich ein Symbol in dem Sinne, dass jedes einzelne Exemplar einer Münze oder eines Geldscheines als vollkommen gleich angesehen werden kann – was dem Geld auch erlaubt, an vielen Orten gleichzeitig zu sein (so wie das Wort).

Sowohl der Markt als auch die Sprache untersuchen Dinge (bzw. Wörter) danach, ob sie „gleich“ sind bzw. „denselben“ Wert haben – im einen Fall handelt es sich um einen kulturell-linguistischen Wert, im anderen um einen ökonomischen. Die Bestimmung eines Preises für ein bestimmtes Produkt ist ein kollektiver Prozess, der der kollektiven Bestimmung eines Namens für ein bestimmtes Ding entspricht.

Das Sein und die abweichende Norm

Die ähnlichen Funktionen des Verbs „sein“, des Phallus und des Geldes suggerieren eine Verbindung zwischen den Bereichen der Sprache, der Sexualität und der Ökonomie. Diese Verbindung ist eine „genetische“, in dem Sinne, dass die Maskulisierung die Genese sowohl des Phallus als auch des Geldes als auch der phallischen Besetzung von „sein“ markiert. Wenn der Vater nicht den Platz der Mutter als Kategorieprototyp für den Buben eingenommen hätte, dann gäbe es keine Möglichkeit, eine Ersetzung zu ersetzen, weil es nie eine Ersetzung gegeben hätte. Die Maskulisierung würde nicht existieren, um den Tausch auf die Gesellschaft als deren ökonomische Form zu projizieren, und in Folge gäbe es weder ein kommunikatives Bedürfnis nach Geld noch hätte dieses die Funktion des Wortes. Und das Verb „sein“ wäre nie vergegenständlicht worden, da es nie vom Phallus besetzt worden wäre. Die Verbindungen zwischen „sein“, Phallus und Geld existieren, doch sie sind artifiziell, da die Maskulisierung selbst ein artifizieller, unnotwendiger und schädlicher Aspekt der Sozialisierung der Buben ist. Der Phallus, das Geld und das Verb „sein“ bestätigen gemeinsam diese unglückliche Entwicklung – oder um es auf eine andere Weise zu sagen: sie sind alle Kennzeichen der „abweichenden Norm“ (Maskulisierung, Tausch).

Vielleicht ist das wirkliche Problem die frühzeitige phallische Genitalisierung, die die orale Phase des Buben ablöst. Der Penis bzw. Phallus nimmt den Platz der Brust als besetztes Objekt ein. Das Kennzeichen des Buben schenkt ihm das Privileg der überlegenen Kategorie auf manipulierten Umwegen (nach dem Motto: „x = y“), während ihm die Brust der Mutter direkt schenkte. Wenn wir bedenken, dass die Erotisierung der Brust mit der Entfremdung des Buben von seiner Mutter und dem Eintritt in die privilegierte Kategorie derjenigen, die nicht versorgen, sondern versorgt werden, einhergeht, so erscheint es nicht nur so, als hätte der Bube die Brust aufgegeben und einen Penis erhalten, sondern der Schenkprozess scheint mit den innerlichen Empfindungen des Essens und der Defäkation (also der oralen Phase) verbunden, während der Kategoriewechsel mit der Genitalisierung und dem Penis (einem äußerlichen Teil des Körpers) verbunden scheint. Die Geschlechtsidentität des Buben hängt in der Folge von einer polaren Gleichung mit dem (größeren) Vater ab, der als Prototyp der Genitalisierung fungiert. So ersetzt die Identifikation des Buben mit einem polarisierten Äquivalent das Schenken, den Rollenwechsel und die spielerische Konstruktion von Identität in Bezug auf seine Mutter. Gleichzeitig setzen die Mechanismen der Quantifizierung ein, da es die Quantität (die Größe) des Phallus ist, die dem Vater, und nicht dem Buben, die polarisierte Position des Einen zuschreibt. Die phallische Quantität wird zur wichtigsten „Qualität“.

Quantitative materielle Kommunikation

Es ist nicht ein qualitatives Wort bzw. eine qualitative Evaluation, die im Tausch gegeben werden, sondern ein quantitatives Wort bzw. eine quantitative Evaluation. Die Rolle, die das Wort auf der verbalen Ebene spielt, wird also auf der materiellen Ebene vom Geld eingenommen und Preise drücken materielle kommunikative Bedürfnisse in monetären Quantitäten aus. Das kommunikative Bedürfnis, das von Preisen ausgedrückt wird, ist dabei das Bedürfnis nach einem Kommunikationsmittel, das die Verkaufenden nicht haben. Dieses Kommunikationsmittel ist das Geld, das nunmehr die Rolle des Wortes als Geschenk übernimmt. Doch ist der Tausch nicht die Sprache: die Tauschenden (die „Kommunizierenden“ des Tausches) haben sich, um an Geld zu kommen, die Produkte, die von Geld repräsentiert werden, erst zu beschaffen, um sie dann für Geld tauschen zu können. Das Geld ist wie die männliche Identität ein verkörpertes Wort, das im Zuge seiner Transformation auf die materielle Ebene verzerrt wurde: der ursprüngliche Gebrauch eines Wortes liegt letztlich nur darin, anderen geben zu können – das Geld jedoch kann behalten und angehäuft werden.

Da das Geld der allgemeine Ersatz für den Akt des Ersetzens ist, beeinflusst es jeden Teil dieses Aktes (bzw. des Tausches), indem es ihn zu allen anderen in Beziehung setzt. Geld ist das Mittel, in dem die Werte der Produkte in Relation zu anderen Produkten und zu uns quantitativ ausdrückbar werden. Als solches funktioniert es tatsächlich wie Sprache, in der die Wörter das Mittel sind, die qualitativen Werte aller Teile unserer Welt auszudrücken und zueinander und zu uns selbst in Beziehung zu setzen. Das Geld ist eine (materielle) Sprache, die aus einem Wort besteht. Diejenigen, die dieses Wort nicht haben, können demzufolge nicht „sprechen“; sie gehören nicht zur „Spezies“, zur Kategorie der haves.


Im Rahmen dieser Theorie repräsentiert der Phallus die Ersetzung der Mutter mit dem Vater. Damit ist seine Funktion der des Verbs „sein“ ähnlich, mit dem allgemeinen symbolischen Charakter, von dem Lacan glaubte, dass er normal war. Siehe zum Phallus und dem Geld als dem allgemeinen Äquivalent: Jean Joseph Goux, Symbolic Economies: After Marx and Freud. Ich möchte Goux’ Buch wirklich empfehlen, was einen mehr psychoanalytischen und historischen Zugang zu vielen der hier besprochenen Fragen anlangt, zumindest zu jenen, die vom Tausch handeln.

Jerry Fodor meint, dass Wygotskis Vorstellung der Kategorie zu philosophisch sei. Fodor kritisiert Wygotskis Glauben, dass die Kategorie die Abstraktion einer „sensorischen Beständigkeit“ verlangt. Wir haben jedoch gesehen, dass das männliche Kennzeichen durchaus als sensorische Beständigkeit der privilegierten Kategorie funktioniert und von unseren pädagogischen Praktiken abstrahiert wird. Geld ist wiederum die sensorische Beständigkeit für die privilegierte Kategorie derjenigen, die es geschafft haben, ökonomische Eine zu werden. Siehe J. A. Fodor, „Some Reflections on L.S. Vigotsky’s Thought and Language“.

Wie Jerry Martien in Shell Game gezeigt hat, war das Wampum eine materielle Sprache, die aus vielen Wörtern bestand. Es überrascht jedoch nicht, dass EuropäerInnen das Wampum als Geld (fehl)interpretiert haben, da ihre eigene materielle Sprache nur aus diesem einen Wort bestand.

Stellen wir uns einen prähistorischen Moment vor, in dem es zum Kriterium für die Aufnahme in die Gemeinschaft wurde, sprechen zu können, und in dem die, die das nicht konnten, ausgeschlossen und zum Sterben verurteilt wurden – gewissermaßen als Konsequenz einer grausamen „evolutionären“ Logik. Es scheint so, als würden wir heute diesen prähistorischen Moment wiederholen. Die, die „das Wort“ haben sind privilegiert, und die, die es nicht haben, scheinen Ausschluss und den Tod zu verdienen. Von denen, die von den alten Griechen als „Barbaren“ bezeichnet wurden, weil sie nicht Griechisch sprachen, zu jenen, deren Sprache heute eine andere als Standardenglisch ist, bleiben diejenigen, die keine „EigentümerInnen“ der „Prototypsprache“ sind, von der privilegierten Kategorie ausgeschlossen.

 

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